Politik, Wirtschaft, Journalismus und Kabarett

In den letzten 12 – 18 Monaten habe ich mich wieder verstärkt mit Politik, Wirtschaft, Journalismus und Kabarett auseinandergesetzt. Manche Zusammenhänge belasten mich zeitweise sehr und ich musste meine Eindrücke nun mal zu digitalem Papier bringen – auch auf die Gefahr hin, dass ich nun wieder zum Feindbild mutiere.

Dalim auf der Suche nach (W)AiN!

Nach seinem Album „jedem (s)eins“ sah Dalim noch einmal genauer hin. © R. Schütz

Who’s (W)AiN in der deutschen Medienlandschaft?!

Wer mich kennt, weiß: Mich interessieren Inhalte und reale Zusammenhänge. Ich bin kein Freund von Ego-Eskapaden, Ignoranz und Schadenfreude. Wenn mich etwas interessiert, dann will ich es wirklich wissen. Also habe ich in den letzten 1 1/2 Jahren privat viel gelesen. Ich habe meinen Newsfeed auf Diversität optimiert, weil ich den Eindruck hatte, permanent Halbwahrheiten oder gar Lügen vorgesetzt zu bekommen.

Ich habe daher, neben großen Gazetten wie Zeit Online und der FAZ, diverse kleine Blogs, unabhängige Redaktionen und auch Personen mit zweifelhaftem Ruf wie KenFM in den Fokus genommen. Ich habe mich mit den Inhalten des rechten Lagers auseinandergesetzt, habe bei der Linken und dem gegenüber bei der AfD genauer hingehört. Ich habe mich dabei auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede konzentriert.

Einfach gestrickten Gemütern mag mein Eifer vielleicht etwas schräg erscheinen, aber alle Jahre wieder will ich einfach wissen, was sich in der Welt so tut – und wenn schon, dann richtig. Dennoch kann ich keine Garantie für Vollständigkeit oder der Wahrheits letzten Schluss geben. Also reibt Euch bitte nicht auf, sondern ergänzt, wenn ich wichtige Tatsachen nicht auf dem Schirm haben sollte.

Who’s (W)AiN – Raus mit der Sprache!

Viele von Euch werden im vergangenen Jahr mindestens ein paar Schlagzeilen zum Nahost-Konflikt, der Ukraine, der NSA und weiteren medialen Highlights gelesen haben. Meine Aufmerksamkeit wechselte dabei immer wieder zwischen 4 Personengruppen:

  1. Politiker
  2. Unternehmer (Wirtschaft)
  3. Journalisten
  4. Kabarettisten

Politiker vor und nach Ihrer Amtszeit

In jüngeren Jahren habe ich mich immer massiv über Politiker geärgert. Ich werde nie vergessen, wie ich zum ersten Mal wählen durfte und mit allen Mitteln verhindern wollte, dass Stoiber gegen Schröder das Rennen macht. Klar, Stoiber war und ist eine absolute Luftpumpe, aber Schröder war keine bessere Wahl.

Einige Wahlperioden später ärgere ich mich über Politiker nur noch äußerst selten. Noch seltener kann ich eigentlich nur die Damen und Herren ernst nehmen. Überzeugungstäter, die sich in Ihrem Metier wirklich auskennen, muss man mit Lupe und Fernrohr suchen. Ich wende mich mittlerweile nur noch kopfschüttelnd ab, wenn ich Ursula von der Leyen oder Joachim Gauck sehen muss. Bei Wolfgang Bosbach kann ich gerade noch ein paar Minuten aushalten und Gregor Gysi schaue ich mir ab und an sogar eine ganze Redezeit im Bundestag lang an.

Allerdings nehme ich solche Sequenzen nicht nur unter die Lupe, weil Gregor Gysi tatsächlich etwas mehr Realitätsbezug zu haben scheint, als viele seiner Kollegen – unabhängig von der Partei. Ähnlich wie bei Online-Texten und Videos, führe ich mir vor allem die prolligen Reaktionen aus dem Publikum zu Gemüte und stelle fest, dass den jeweiligen Entscheidern ihre Verantwortung häufig völlig egal zu sein scheint. Dieses Schmierentheater erweckt, zumindest bei mir, den Eindruck eines postpubertären Schwanzvergleichs.

Ich habe mich in der Vergangenheit schon häufiger kritisch gegenüber Wolfgang Schäuble geäußert und einerseits stehe ich zu jeder Kritik bezüglich des europäischen Währungs-Wahnsinns, bei dem er ja seit Tag eins mitmischt wie kein anderer, und seiner berechnenden Manipulation der Bevölkerung. Andererseits beschleicht mich aber mittlerweile das Gefühl, dass Politiker wie Wolfgang Schäuble noch das geringere Übel darstellen. Der Mann hat viel Erfahrung und zu vielen Fragen wirklich eine eigene Meinung, ja sogar fast schon eine Überzeugung. Das macht ihn quasi zu einem Exoten.

Wenn man dann noch den Austausch von Schäuble mit Altkanzler Helmut Schmidt berücksichtigt, merkt man, dass sich einige Leute durchaus Gedanken über die Zukunft von Deutschland, Europa und der Welt machen – jetzt mal unabhängig davon, was wir davon halten mögen. Aber die grundsätzlichen Rahmenbedingen, z.B. die immanenten Schwachpunkte unseres Kapitalismus (Stichwort: Schulden, Zinsen und der Wirtschafts-Wahnsinn) oder das Diktat großer Konzerne und ihrer Lobbyverbände, scheinen die Herrschaften immer erst NACH ihrer Karriere kritisch zu hinterfragen.

In seiner aktiven Zeit war beispielsweise Oskar Lafontaine für mich kaum zu ertragen – und dabei stamme ich aus dem Saarland. Zu viele Machtspiele, Polemik und Selbstdarstellung prägten seinen politischen Werdegang. Aber seine Argumentation bei Anne Will vor einigen Monaten hatte wirklich Hand und Fuß. Da stellt sich die Frage, warum in Bezug auf Inhalte, Kompetenz und Professionalität keine Evolution bei Politikern stattzufinden scheint. Warum kümmern sich die Damen und Herren nicht vor oder spätestens während ihrer Amtszeit um ihre Kompetenz? Ich hätte da einen Erklärungsansatz, aber das würde jetzt zu weit führen.

Der alltägliche Wahn der weltweiten Wirtschaft

Vorab: Nein, ich habe kein BWL-, VWL-, Soziologie- oder Geschichts-Studium absolviert. Dennoch bilde ich mir ein, dass die Finanzmärkte inkl. der irrwitzigen Finanzpakete (s. unten: Chin Meyer bei Lanz), die damit verbundenen nationalen und internationalen Gesetze und die Motive der jeweiligen Akteure gar nicht so schwer zu begreifen sind. Im folgenden Video geben ein äußerst sympathischer Ernst Prost und ein souveräner Dirk Müller ein paar gehaltvolle Gedanken preis – zuschauen lohnt sich!

Selbstverständlich sollte man jetzt noch sehr kritisch hinterfragen, wie polemisch dieser Auftritt war und ob die Inhalte überhaupt fundiert sind. Meine erste Neigung ging Richtung Sympathie für die Herren – sogar Markus Lanz wirkte weniger inkompetent und unprofessionell als in vielen anderen Sendungen. Doch Leichtgläubigkeit öffnet Manipulation Tür und Tor. Und während ich mir diese Gedanken machte, stolperte ich über einen Ausschnitt der Late-Night-Show „Beckmann“. Der Ton ist nicht sonderlich gut, aber der Gesprächsverlauf zwischen Experten aus Wirtschaft und Politik offenbart, wie der Hase läuft – völlig unmissverständlich!

(W)AiN hat die deutschen Journalisten fest im Griff

Das Thema „Qualitätsjournalismus“ schaffte es vor einigen Wochen tatsächlich ab und an in die Massenmedien, aber wirklich konstruktive Veränderung hat es leider nicht gegeben. Es wurde wieder viel polarisiert, viel Kritik wurde polemisch vom Tisch gewischt – und das war’s!

Es wird Stimmung gemacht, Lobbyarbeit betrieben, diffamiert und kopiert, was das Zeug hält. Und auch hier lohnt sich dann ab und an ein Blick in die Kommentare von Online-Berichten und Videos. Feindbilder, imaginäre Linien im Sand und respektlose Ignoranz bis hin zu sadistischer Schadenfreude sind da an der Tagesordnung. Die Bürger haben überwiegend gar keine Einwände. Man hackt lieber auf Bauernopfern rum und wird dadurch ruhiggestellt.

Natürlich könnten wir jetzt auf den Nahost-Konflikt oder die ausufernde Entwicklung in der Ukraine näher eingehen, aber das wäre schlicht zu viel für einen solchen Blog-Beitrag. Vielleicht kann sich jemand mal die Zeit nehmen, den ein oder anderen wirklich differenzierten Beitrag dazu zu liefern. Doch auch in kleineren Dimensionen gibt es immer wieder anschauliche Beispiele für diese wahnwitzige Erzeugung von Feindbildern.

Zur Veranschulichung: Ich war ja noch nie ein Fan von Xavier Naidoo, weder von seiner Musik – außer in sehr seltenen Fällen – noch von seinen Interviews. Aber der Mann hat mir auch nix getan und er stellt ganz bestimmt keine Gefahr für irgendeinen Rechtsstaat dar. Seit einiger Zeit wird er aber mit einer s.g. Reichsbürgerbewegung ins rechte Lager gesteckt. Der Mann ist definitv nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber dieser Hass und diese Diffamierung, die man in den letzten Wochen zu lesen bekommt, sind völlig überzogen. Ich habe einmal via Facebook den Fehler gemacht, dazu einen Kommentar abzugeben. Danach wurde ich per Mail persönlich angegriffen und als man sich anscheinend darin bestätigt sah, dass wohl auch ich ein homophober Rechter sein müsse, wurde die Korrespondenz abrupt beendet.

Und so liegt mein Hauptaugenmerk wieder auf der Suche nach (W)AiN. Im folgenden Video, einem Ausschnitt aus der „Beckmann“-Sendung vom 28.08.2014, kann man besonders gut erkennen, dass viele Redner vor allem Ihr Ego boosten wollen, nicht aber an Inhalten und Problemlösungen interessiert sind.

Hier wäre es eigentlich der Auftrag von Journalisten, gesellschaftlich relevante Daten zu erheben, Quellen zu prüfen, entsprechend wichtige Fakten zu untermauern und brisante Themen aufzudecken. Doch wie hat Max Uthoff das so schön im Auftritt mit Claus von Wagner in der Anstalt formuliert:

Aber dann sind ja all diese Zeitungen nur so was wie Lokalausgaben der NATO-Pressestelle!

Der perfekte Mix aus Wahrheit und Satire

Unterm Strich stelle ich fest, dass ich im Laufe der Jahre wesentlich mehr durch das deutsche Kabarett lernen durfte als durch die Tagesschau. Versteht mich hier nicht falsch: Natürlich darf man niemals unreflektiert glauben, was auf irgendeiner Bühne dargestellt wird – sei es nun im Bundestag, in Film und Fernsehen oder im Theater. Aber viele unliebsame und auf den ersten Blick kompliziert anmutende Zusammenhänge wurden in der Vergangenheit schon durch Satiriker auf die relevanten Punkte heruntergebrochen, so dass sie jeder verstehen kann.

Ob nun Priol und Schramm, Pispers, Uthoff, von Wagner, Welke, Siebert und wie sie alle heißen: Sowohl in Ihren Shows als auch in Interviews merkt man einfach, wer sich zu welchem Thema fundierte Gedanken gemacht hat. In einem direkten Vergleich zu vielen Politikern, Lobbyisten und Journalisten kommt man gegebenfalls nicht mehr ohne Nackenschmerzen aus dem Kopfschüttel-Modus.

Fazit:

Die Politik scheint nur, mit den Worten von Georg Schramm, eine „geliehene Macht“ zu haben. Es ist also egal, ob Gysi & Co. Zuspruch oder Pfiffe in Bundestagsdebatten ernten, denn dort werden keine relevanten Entscheidungen getroffen – sie werden nur gemäß dem Wirtschafts-Diktat umgesetzt.

Unter „Verantwortung übernehmen“ verstehen Führer und Entscheider in Unternehmen offensichtlich etwas ganz anderes als ich oder beispielsweise Herr Prost. Vielleicht sind die Jungs und Mädels aber auch nur schlauer als ich. Wenn man den Massen-Medien glauben will, müssen wir einfach flexibler sein und sollten uns bloß nicht beschweren. Schließlich geht es uns ja noch wesentlich besser als den meisten anderen Nationen.

Ich stecke aber noch etwas Hoffnung in die deutschen Kabarettisten und ihr Publikum, zu dem ich mich ja auch zählen darf. Vielleicht gibt es ja doch noch eine Alternative zu europäischen Spardiktaten und einer immer weiter außeinander driftenden Schere zwischen arm und reich.

Dalim – (W)AiN kümmert’s?!

Zum Schluss gibt’s noch ein paar nette Worte von Georg Schramm, fernab von seinen Bühnen-Charakteren. Ich hoffe, dass sich niemand provoziert fühlt und vielleicht macht ihr ein paar ergänzende Anmerkungen – ich freu‘ mich drauf.

Who’s (W)AiN?!

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